Phantomstellen

nicht jede von einer Zeitarbeitsfirma beim Arbeitsamt gemeldete Stelle existiert tatsächlich. Denn einige der sogenannten Personaldienstleister melden den Arbeitsämtern offenbar Stellen, die gar nicht existieren. Sie können dies, da die Arbeitsämter der Republik zu gutgläubig sind. Denn die Ämter setzen auf Kooperation und weniger auf Kontrolle. Verlierer sind die Arbeitssuchenden. Denn sie müssen sich mitunter bei Zeitarbeitsfirmen um Stellen bewerben, die es gar nicht gibt. Bewerben sie sich nicht, dann drohen ihnen Kürzungen der Bezüge. [Quelle: Die Zeit]

Ich möchte hier nur ergänzen, daß diese Zustände nicht nur bei Zeitarbeitsfirmen herrschen. Aus eigener Erfahrung kann ich behaupten, daß gut ein Drittel der Nicht-Zeitarbeitsannoncen in der Datenbank der Arbeitsagentur entweder uralt oder ein Luftfurz ist. Arbeitssuchende verschwenden somit viel Zeit und Geld damit, sich auf Phantomstellen zu bewerben. Natürlich kommt von denen dann nie irgend eine Reaktion, was beim Arbeitssuchenden Frustration und nicht unhäufig sogar Depression auslösen kann. Der Druck, der von den Argen auf die Arbeitslosen ausgeübt wird tut ein übriges dazu, Arbeitssuchende krank zu machen.

Doch warum ist das so? Sind sich die Arge-Mitarbeiter zu fein für Datenbankpflege?

Ich vermute nein. Dahinter steht viel mehr der Wunsch, die Zahl der “freien” Stellen künstlich aufzublähen. Würde die Datenbank ordentlich gepflegt und nicht-existente Ausschreibungen getilgt, dann würde dem Heer von Arbeitssuchenden auf einmal eine noch viel kleinere Zahl an Arbeitsstellen gegenüber stehen, also es bei der im Moment “offiziellen” Zahl ist. Man hat schlicht und ergreifend Angst davor, daß breite Teile der Bevölkerung eventuel so etwas wie eine Erleuchtung haben und anfangen zu sagen: Wenn diesen Millionen von Arbeitslosen nur knapp eine halbe Million offener Stellen für Bewerbungen zur Verfügung stehen, dann ist der permanente Druck, der durch HartzIV ausgeübt wird doch total sinnlos – sogar schädlich, da der Volkswirtschaft durch die ausgelösten psychischen Erkrankungen noch Kosten entstehen!

Solch ein Erwachen ist jedoch nicht im Sinne der Arbeitgeberlobby. Und deswegen wird auch nichts gegen soche Phantomstellen in den Datenbanken unternommen.

Mythos Jobwunder

In ihrer Analyse der kleinen Anfrage bezeichnet Die Linke das “Jobwunder” als Mythos, ich würde es jedoch eher als Fata Morgana bezeichnen, ein Trugbild welches aus einer verzerrten Wiedergabe von Tatsachen entstand.

Die Linke kommt zu dem Ergebnis, daß statt Vollzeitjobs viele kleine Teilzeit- und Minijobs geschaffen wurden, von denen man aber nicht leben kann. Die Bundesregierung geht also nach dem Motto Masse statt Klasse vor und klopft sich dafür auch noch selbst auf die Schulter. Die Spätfolgen, wie Altersarmut, dürfen andere ausbaden. Diejenigen, die den Murks verbockt haben werden dann schon auf ihren Wirtschaftspöstchen ruhen, welche sie sich mit ihrer Klientelpolitik hart erabeitet haben.

Einige Details aus dem Ergebnis der kleinen Anfrage:

  • ein Viertel der gemeldeten Arbeitslosen werden gar nicht von der Statistik erfasst
  • der Arbeitsmarkt wurde in den letzten fünf Jahren durch die demographische Entwicklung deutlich entlastet, ohne daß die Politik einen Handschlag dazu hat leisten müssen
  • die Beschäftigung hat abgenommen. Rechnet man nämlich das Arbeitsvolumen auf Vollzeitstellen um, so ergibt sich von 1992 bis 2010 ein Verlust von 1,8 Millionen Erwerbsverhältnissen
  • Seit Mitte der 90er wächst der Anteil atypischer, nicht-exsistenzsichernder Arbeit; von 15% im Jahr 1996 auf 22% im Jahr 2009. Der Anteil an unbefristeten Vollzeitjobs sank in dieser Zeit von 75% auf 66%
  • atypische Beschäftigung geht einher mit schlechter Bezahlung; so nahm die Zahl der Niedriglöhner bei den Vollzeitbeschäftigten seit 2005 um 400.000 zu. 2009 Arbeiteten 4,5 Millionen Menschen (2,5 Millionen davon Frauen) arbeiten zu einem Lohn, der unterhalb der Niedriglohnschwelle liegt; das sind bereits jeder vierte bis fünfte Vollzeit tätige Arbeitnehmer (oder 20 – 25 %)

Quelle: linksfraktion.de, 04.01.2011 (Sabine Zimmermann)

Mindestlohn vernichtet keine Arbeitsplätze…

… die Gier der Unternehmer vernichtet Arbeisplätze. Ich habe heute einen Hinweis auf eine interessante Studie bei den nachdenkseiten gefunden. Das Handelsblatt schreibt dazu:

So zeigt eine jetzt veröffentlichte Mammut-Untersuchung des Arbeitsmarkt-Forschungszentrums der US-Eliteuniversität Berkeley: Höhere Mindestlöhne haben in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 16 Jahren keine Jobs vernichtet. „Wir finden keine negativen Beschäftigungseffekte“, lautet das Fazit der Arbeit mit dem Titel „Minimum Wage Effects Across State Borders“…
In einem ersten Schritt stellen die Forscher fest: Höhere Mindestlöhne haben tatsächlich die sozialpolitisch gewünschte Wirkung. Wenn ein Bundesstaat den Mindestlohn erhöhte, stiegen danach die Einkommen der betroffenen Beschäftigten auch deutlich an – die Arbeitgeber konnten die Gesetze also nicht umgehen. Auf die höheren Lohnkosten reagierten sie dennoch nicht mit Entlassungen…
Diese Ergebnisse stützen die Theorie des britischen Arbeitsmarkt-Forschers Alan Manning. Der Professor der London School of Economics propagiert seit mehr als zehn Jahren, dass reale Arbeitsmärkte nicht so perfekt funktionieren, wie es Ökonomen in ihren Modellen unterstellen. Im wirklichen Leben würden die Arbeitgeber gerade im Niedriglohnsektor über Marktmacht verfügen – diese erlaube es ihnen, die Löhne ihrer Beschäftigten zu drücken. Wenn das so ist, können staatliche Lohnuntergrenzen die Einkommen von Geringqualifizierten erhöhen, ohne dass Arbeitsplätze verloren gehen.

Es geht also darum, die einseitige Marktmacht der Arbeitgeber – die besonders im Niedriglohnsektor stark ausgeprägt ist – zu brechen und den Arbeitsmarkt wieder zu einem Markt zu machen, in dem gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe miteinander agieren.

Zur Zeit liegt die Macht einseitig bei den Arbeitgebern. Die Hartz-IV-Reform hat dazu geführt – und das sicherlich nicht politisch ungewollt – daß Arbeitnehmer nicht mehr in der Lage sind, für sie unwirtschaftliche Angebote abzulehnen und so ihren eigenen Preis selbst festzulegen. Ihre Macht als Marktteilnehmer ist im Moment so gut wie inexistent. Man sollte bei einer solchen Konstellation vielleicht nicht mehr von Markt reden. Markt geht anders und das wissen Arbeitgeber und Politik sehr genau, auch wenn sie nicht müde werden uns das Lied vom “freien Markt” vorzusingen.

Denn wäre dieser Markt wirklich frei müsste kein Hartz-IV-Empfänger sich sorgen um Leistungskürzungen machen, wenn er mal wieder ein unverschämt unsittlichen “Arbeitsangebot” ablehnt.

Gregor Gysi zur Leiharbeit

Gregor Gysi spricht mal wieder viel Wahres zum Thema Leiharbeit aus und erinnert die SPD - die sich ja im Moment als das soziale Gewissen der Regierung geriert - daran, daß sie uns die ganze Misere mit Leiharbeit und Hartz IV erst eingebrockt hat. Meiner Meinung nach kann man das der SPD nicht oft genug unter die Nase reiben, was die Seeheimer ihnen da eingebrockt haben. Vielleicht werden sie irgendwann mal wach und schmeissen die Bagage endlich raus (man wird ja wohl mal träumen dürfen...).

Sehr entlarvend finde ich auch, ziemlich am Anfang, daß unter den Abgeordneten wohl Nachhilfebedarf besteht, wenn es um makroökonomische Zusammenhänge geht. Gewisse Grundkenntnisse in Makroökonomie sollten meiner Meinung nach verpflichtende Vorraussetzung für das Bekleiden eines politischen Amtes sein.
Warum nicht eine verpflichtende Grundausbildung in Sachen Wirtschaft, Informtionstechnologie, Gesellschaftskunde und Geschichte (wer will, kann die Liste gerne in den Kommentaren ergänzen) bevor man eine politische Laufbahn einschlagen kann? Vielleicht würde das ja die Flut an wirklich hirnverbrannten Gesetzen ein wenig eindämmen.

Was nicht passt wird passend gemacht…

Es ist ja schon unglaublich menschenverachtend, wie die Regierung offensichtlich auf dem Standpunkt steht, daß das existentielle Daseinsminimum sich nach der Kassenlage zu richten habe. Wo mir persönlich immer wieder die Galle hochkommt sind die Methoden, die angewandt werden um auf einen gewünscht niedrigen Betrag zu kommen. Das ganze grundgesetzwidrige Elend dann auch noch mit der abgedroschenen Floskel zu verteidigen, daß es einen Abstand zum Einkommen von Niedriglöhnern geben müsse entblößt den Zynismus, mit dem “Sozialpolitik” betrieben wird vollends.

Wenn diese Menschen einen ordentlichen Abstand zu den Löhnen haben wollen, dann sollen sie gefälligst den wahren Schmarotzern in diesem Land in den Arsch treten und dafür sorgen, daß Löhne gezahlt werden, von denen man auch Leben kann. Aber es ist ja immer einfacher, nach unten zu treten als oben mal Rückgrat zu beweisen. Nicht daß am Ende noch der erhoffte, gut dotierte Job in der Wirtschaft flöten geht, den man nach absitzen des politischen Amtes hofft, antreten zu können…